Veröffentlicht am 24. Oktober 2009 in Grafik & Layout

Die Logo-Entwicklung gehört ja bekanntermaßen zu den schwierigsten Disziplinen im Geschäft eines grafisch Tätigen; damit ist sie jedoch auch gleichzeitig eine der größten Herausforderungen.

Ein Logo soll einerseits den Markenkern der Einrichtung, des Produkts oder der Dienstleistung für die oder das es steht, möglichst genau treffen, andererseits aber auch so einfach und selbsterklärend wie möglich rüberkommen. Es soll eine möglichst klare Aussage vermitteln, ohne zu komplex zu wirken und es soll natürlich möglichst genau das darstellen, was hinter dem Logo steckt.

Denkt man also beispielsweise beim Bayerischen Jugendfilmfestival JuFinale in erster Linie an Film, Video und Kino, liegt es natürlich auf der Hand, eine Kamera als Logo zu verwenden. Da das Logo – um obigen Grundsätzen zu entsprechen – natürlich möglichst einfach gehalten sein soll, verbietet sich die Verwendung einer Fotografie einer modernen Videokamera – dies wäre viel zu komplex. Also eher eine Zeichnung bzw. eine grafische Darstellung, die auf Details verzichtet. Etwa so:

Der Griff zu einer eher „altertümlich“ anmutenden Filmkamera stellt in diesem Fall sicher, dass sie auch als solche erkannt wird. Würde man eine moderne Videokamera grafisch darstellen wollen, wird es mit der Erkennbarkeit schwierig; wenn man auf zu viele Details verzichtet, bleibt u.U. nur ein viereckiger, unkenntlicher Kasten übrig.

Andererseits geht es ja um das Thema Jugend. Es ist zu befürchten, dass die heutige – spätestens aber die Jugend in einigen Jahren – gar nicht mehr weiß, dass Kameras früher Spulen für das Filmband hatten. Was also tun? Vielleicht einfach mal die Spulen weglassen? Das würde dann so aussehen:

Nun allerdings tritt das ein, was oben schon befürchtet wurde: das „Ding“ ist nicht mehr wirklich gut als Kamera zu erkennen. Also muss eine Veränderung her, die diesem Umstand Abhilfe schafft. Aber wie? Mehr Details? Das wäre schlecht, soll das Logo doch einfach bleiben und auch aus der Ferne gut zu erkennen sein. Was also dann? Nach einigem Herumprobieren ergab sich dieses Bild:

Und siehe da: es sind zwei Effekte eingetreten: die Kamera ist als solche etwas besser erkennbar, aber – wie passend – sie erinnert jetzt auch ein wenig an einen Scheinwerfer. Und da es dem Logo bisher noch etwas an Dynamik fehlt, bietet sich die Scheinwerfer-Assoziation nachgerade an, diesem Makel abzuhelfen; ein wenig gedreht und „richtig ins Licht gerückt“ ergibt sich dies:

Ja, das sieht doch schon sehr gut aus. Bleibt eigentlich nur noch die Kombination mit dem bereits vorhandenen Schriftzug sowie die Abstimmung der Farben. Bisher wurde der Schriftzug nicht einheitlich in bestimmten Farben verwendet. Es gilt also, da etwas passendes zu finden. Die erste Idee erscheint sinnvoll: die „JuFinale“ ist ein gemeinsames Projekt des Bayerischen Jugendrings und des JFF – Institut für Medienpädagogik – es liegt also auf der Hand, deren „Hausfarben“ blau und orange zu kombinieren:

  

Aus blauem BJR und orangefarbenem JFF wird die blau-orange JuFinale! Aber halt, an was erinnert uns das denn jetzt? Das kennen wir doch von irgendwo her? Ja genau, da gibt es doch schon eine Bank, die ebenfalls blau und orange im Signet trägt. Und auch wenn es jeweils nicht genau der Farbton ist, so liegt die Farbkombination doch recht nahe.

Kann man also nicht machen, die Assoziation mit der Bank wollen wir mit der JuFinale schließlich nicht herstellen (auch wenn es dadurch zu einem möglichen Sponsoren-Deal kommen könnte – so nah sollte es auf keinen Fall liegen, verbaute man sich so doch sicherlich jegliche weitere bzw. andere Sponsoren). Somit bleibt also nur eine Veränderung der Farben. Also wird das Blau dunkler und kräftiger, das Orange wird ebenfalls merklich dunkler und tendiert zu einem Ton in (wein)rot – und wirkt somit bestens an das Blau angepasst.

Damit es nun jedoch keinesfalls zu bunt wird – „bunt“ ist v.a. bei der Jugend ganz nah mit „kindlich“ verknüpft, was die Jugendlichen ja in keinem Fall (mehr) sein wollen – bleibt für die Integration von Schrift und Grafik nur noch eine neutrale Farbe übrig, nämlich Schwarz (respektive Weiß bei dunklem Hintergrund). Da Schwarz aber dann doch einen Tick zu hart wirkt, eben ein abgestuftes Schwarz, also ein dunkler Grauton. Und: die Kamera-Scheinwerfer-Grafik wird gespiegelt, weil sie sich so idealtypisch an den Schriftzug anpasst und ein rundes, stimmiges Gesamtbild ergibt:

Und schon steht das neue Logo! Tatarata! Jetzt noch mit Web-Adresse und Unterzeile kombiniert und es ist ein erweitertes Signet entstanden, dass für Briefkopf, Impressumzeile und weitere Anwendungszwecke dient, bei denen nicht nur die plakative Wirksamkeit eine Rolle spielt, sondern auch Raum für eine weitergehende Erklärung des Ganzen vorhanden ist:

Bitteschön! Hatte ich nicht oben erwähnt, dass es gar nicht so leicht ist! Aber eben auch herausfordernd und spannend. Und: dem Ergebnis ist nichts dieses langen, oft beschwerlichen Weges anzusehen – so muss es dann auch sein: einfach und klar!