Veröffentlicht am 30. Januar 2010 in Typografie

Anführungszeichen Und ich sag Aposthroph noch Komma fahr Aposthroph nicht bei dem Nebel Punkt Punkt Punkt Abführungszeichen

So oder so ähnlich werden oft Zitate wiedergegeben. Wobei eines fest steht: das Wort „Abführungszeichen“ gibt es definitiv nicht! Fälschlicherweise hat es sich in die Umgangssprache eingeschlichen, weil es scheinbar gut zum Ende einer Anführung paßt. Da sich die Anführung – und damit verbunden das Anführungszeichen – jedoch auf den Inhalt eines wiedergegebenen Textes bezieht, nicht auf den Schreibfluss, spricht man eben nicht von der Abführung, sondern vom „Ende der Anführung“ oder benutzt die Bezeichnung „Schlußzeichen“.

Das mit der Abführung ist jedoch m. E. das kleinere Übel! Mit Christoph Koeberlin bin ich mir einig, dass es „kaum eine Sache [gibt], die häufiger falsch gemacht wird als unsere liebevoll »Gänsefüßchen« genannten Anführungszeichen.“ Auf Typefacts erläutert er sehr anschaulich, und mit vielen Beispielen und Übungen verbunden, was man alles falsch machen kann, aber v.a. auch, wie es richtig geht! Und er nennt auch die wichtigsten Tastatur-Kürzel, um die richtigen Satzzeichen auf unseren – von der Schreibmaschine kommenden und deshalb nur ungenügend zur richtigen Interpunktion geeigneten Computertastaturen – zu erzeugen. Denn die landläufige Meinung, dass die beiden Strichlein über der „2“ als Anführungs- und Schlußzeichen gedacht sind, ist falsch: auch dies ist, wie der ausführliche Artikel bei Wikipedia über Anführungszeichen zeigt, nur eingebürgert und der Einfachheit halber übernommen worden.

Typografisch richtig sind im Deutschen einzig zwei Varianten. Die eine folgt der Eselsbrücke „99 unten, 66 oben“ – d.h. also als Beginn der Anführung die beiden nach links weisenden Häckchen – die an zwei Neunen erinnern – auf der Grundlinie der Zeile, zu erzeugen mit dem Tastaturkürzel ALT 0132 (ALT-Taste gedrückt halten und die vier Ziffern auf dem separaten Ziffernblock der Tastatur eingeben) und am Ende der Anführung als Schlußzeichen die nach rechts weisenden Häckchen – zwei Sechsen – oberhalb der Mittellinie (Tastaturkürzel ALT 0147).

Die zweite Variante ist optisch merklich eleganter und kommt – wer hätte es gedacht – aus dem Französischen: die Verwendung der »kleinen Willis«, der sog. »Guillemets«. Allerdings nicht in der ursprünglich französischen Form, die das Anführende zwischen zwei mit den Spitzen nach außen zeigende Doppelpfeile stellt, sondern spiegelverkehr verwendet mit den Spitzen nach innen. Auch hierzu seien die Tastatur-Kürzel genannt: ALT 0187 erzeugt dies: », ALT 0171 dies: «.

Kombiniert man diese beiden richtigen Varianten dann noch mit ihren untergeordneten Zeichen zweiter Ebene – den jeweils einfachen, nicht doppel-strichigen – dann ergibt sich ein rundes und v.a. richtiges Bild. Verwenden Sie also für das Zitat innerhalb eines Zitats: ALT 0130 und ALT 0145 (‚ ‘) oder ALT 0155 bzw. ALT 0139 (› ‹). Und für all jene, denen die vielen ALT-Kombinationen eigentlich nur Verwirrung stiften, ein Tipp zum Erlernen von Tasten-Kombinationen ganz allgemeiner Art: »Nehmen Sie sich pro Tag maximal ein Tastenkürzel vor und üben Sie dieses durch permanente und stringente Nutzung ein. Das nächste Kürzel folgt dann am nächsten Tag. So schaffen Sie es über einen relativ kurzen Zeitraum, sich eine ganze Menge anzueignen, ohne sich zu überfordern." Auch wenn dabei dann für einige Zeit genau sowas wie dieses letzte Zitat zustandekommt: Vorne die richtige Verwendung des Anführungszeichens … und dann am Ende mit falschem Abschluß – Ihr doppelter Trost dabei: Sie sind nur einer unter vielen, die diesen Fehler machen – und Sie sind dies nicht mehr sehr lange …