Veröffentlicht am 2. Oktober 2007 in Grafik & Layout

Ein durchaus mehrdeutiger Titel, wie die beiden Satzzeichen am Ende bereits andeuten. Gemeint ist zunächst natürlich, dass der Bildungsaspekt bei Medien sicherlich unumstritten vorhanden ist, dass jedoch nicht notwendigerweise eindeutig klar ist, worin er besteht. Eine Bundestagung in Nürnberg soll diese Frage näher beleuchten und aus medienpädagogischer Sicht die richtigen Antworten finden. Um für diese Tagung im April 2008 zu werben und in Form einer Vorankündigung darauf hinzuweisen, sollte ich eine Postkarte dafür entwerfen.

Und hier kommt dann die weitere Bedeutung des Titels in’s Spiel: Wie bilde ich ein Medium? Wie gestalte ich es? Wie visualisiere ich ein Thema? Auch wenn dieser Aspekt natürlich mit dem Titel nicht gemeint ist und war, so hat er für mich doch eine konkrete Bedeutung! Aber der Reihe nach:

Als ich also aufgefordert wurde, für die Tagung von JFF [Institut für Medienpädagogik] und von Parabol [dem Medienzentrum der Stadt Nürnberg] eine Postkarte zu entwerfen, stellte sich natürlich die Frage: wie soll diese aussehen. Mein erster Entwurf griff also das Thema wörtlich auf: Bildung ist etwas für vorwiegend junge Leute und die Medien, das sind Zeitung, Zeitschrift, Buch, Fernsehen, Radio, Computer und Handy. So entstand das:

Vielleicht nicht sehr einfallsreich, aber eben zum Thema passend! Um gleich noch einen Alternativ-Vorschlag parat zu haben, sollten die Auftraggeber der Meinung sein, der Erstentwurf sei ggf. gendermäßig zu einseitig, machte ich mich gleich an eine zweite Idee: Am Morgen hatte ich in der SZ einen Artikel zum Thema Bildung gelesen und mir stand die Titelzeile noch vor Augen: das Wort Bildung kam in der Headline vor. Also den Altpapier-Karton gepackt und ausgelehrt, ein wenig in den Zeitungen geblättert und schon hatte ich den Artikel gefunden. Daraufhin suchte ich weiter; wie einer, der einen anonymen Erpresserbrief aus lauter Zeitungsausschnitten zuammenkleben wollte, kam ich mir vor… aber was ich schließlich fand, war für einen weiteren Entwurf ausreichend: die Begriffe Bildung, Macht, Wissen und Medien in verschiedenen Überschriften. Daraus entstand – in Form einer Zeitungs-Kollage sozusagen – folgendes:

Und weil aller guten Dinge drei sind und ich mit den beiden ersten Layouts noch nicht wirklich glücklich war, mußte auch noch ein dritter Versuch her. Diesmal wollte ich aber nicht so nah am Thema bleiben und habe einfach nach einem schönen Motiv gesucht. Fündig wurde ich dann in meiner Fotosammlung. Im letzten Jahr ist mir auf dem Heimweg vom Bundesligaspitzenspiel zwischen Bayern München und dem VFB Stuttgart [die Bayern hatten relativ unspektakulär 1:0 gewonnen] ein recht guter Schnappschuß der rot illuminierten Allianz Arena gelungen. Dieses Bild sollte als Motiv für den dritten Entwurf herhalten:

Somit hatte ich also drei Vorschläge, die ich per Mail nach Nürnberg schickte. Und wie es halt meistens ist, der dritte und letzte Entwurf gefiel, er sollte nur noch etwas näher an’s Thema gebracht werden. Dies gelang durch das Einbinden einiger "Medienbilder", die praktisch in die Fensterfassade der Arena gesetzt wurden. Es entstand die Endfassung:

Der dritte Entwurf in der Endfassung

Kurz vor Drucklegung dann aber die Erkenntnis: Für eine Nürnberger Tagung kann nicht das Münchner Stadion Pate stehen! Das kann auch die rote Farbe, die in Anlehnung an die Stadtfarbe Nürnbergs durchaus passen würde, nicht wett machen; da ist die Konkurrent zwischen den beiden bayerischen Städten zu groß! Also gut, Lokalpatriotismus hin oder her, klar, man kann das durchaus so sehen. Aber die Sache mit der Fassade und der Spiegelung die wäre schon toll! Wie wär’s denn mit einer anderen Fassade? Einer unverfänglicheren? Einer neutraleren? Oder gar einer Nürnbergerischen? Tja, mit letzterem konnte ich nicht dienen, hatte ich doch bei meinen zugegebenermaßen wenigen Nürnberg-Besuchen nie meine Kamera dabei gehabt. Aber eine einigermaßen neutrale Fassade habe ich dann doch noch gefunden. So entstand Entwurf Nummer 4:

Der vierte Entwurf

Parallel zur Gestaltung dieses vierten Entwurfs erhielt ich dann gute Unterstützung aus Nürnberg: Fotos von Nürnberger Fassaden kamen per eMail; und eines der Fotos erschien passend. So entstand Version Nummer 5, diese ist mittlerweile in Druck und sollte in den nächsten Tagen ausgeliefert werden.

Last And Least 

Nicht dass jetzt jemand glaubt, ich wollte mich mit dieser Dokumentation der Entwurfsentwicklung darüber beschweren, wie schwierig es doch für einen Layouter ist, das Richtige zu treffen; wie aufreibend es ist, zwischen Nürnberg und München zu stehen und es keinem Recht machen zu können; wie schwer doch der Job ist und wie sehr man von Vorlieben und Geschmäckern der Auftraggeber abhängig ist… nein, ganz im Gegenteil! Wie schön ist es doch, einen Kreativprozeß zu durchlaufen, die unterschiedlichen Vorstellungen, Vorlieben, Interessen und Absichten verschiedener Menschen, Standorte und Standpunkte zu sehen, zu erleben und schließlich zu vereinen; und am Ende steht ein Ergebnis, das nicht etwa einem Kompromis gleichkommt, sondern deutlich näher an sowas wie dem großen Wurf positioniert ist.